Bieler Handballer vom Keller ins Oberhaus
Der HS Biel hat mit einem 26:22-Heimsieg gegen Altdorf nicht nur den Abstieg abgewendet, sondern sich sogar für die NLB-Finalrunde qualifiziert. Dort stehen zwei Derbys gegen Lyss auf dem Programm.
Francisco Rodríguez
Gross war der Jubel in der Esplanade-Halle, als die Schlusssirene dem erbitterten Abstiegsduell endlich ein Ende setzte. Dank dem 26:22-Sieg gegen Altdorf hat sich der HS Biel im letzten Moment noch den Ligaerhalt gesichert. Nach langen Monaten des Bangens fielen sich die Spieler erleichtert in die Arme, vollführten einen Siegestanz und bedankten sich schliesslich beim Publikum für die Unterstützung. In diesem Moment der allgemeinen Euphorie wirkte Jens Friesecke relativ gefasst. «Ich hatte keine grossen Bedenken, dass es die Mannschaft heute nicht schaffen würde», sagte der HS-Biel-Trainer. «Ich wusste ja, dass wir eine starke Truppe haben und war davon überzeugt, dass sie sogar an einem schlechten Tag einen Sieg einfahren kann.» Doch dann musste auch Friesecke zugeben, «dass mir innerlich ein grosser Stein vom Herzen gefallen ist.»
Abschied verzögert sich
HS-Biel-Präsident Adrian Kneubühler bedankte sich bei seiner Mannschaft für den erfolgreichen Auftritt und verabschiedete offiziell jene Spieler, die zurücktreten. Darunter befindet sich auch Torhüter Christian Benkert, der nächste Saison nur noch in der 2. Mannschaft spielen will. «Das war ein super Abschluss», sagte Benkert, der sich vor zwei Wochen einen Bänderriss zugezogen hatte, dank einer speziellen Fussstütze gegen Altdorf aber trotzdem das Tor hüten konnte. «Es ist toll, wie wir uns nach dem Tief wieder gefangen haben. Wir sind alle zusammengestanden und haben mit vereinten Kräften unser Ziel erreicht.» Auf einmal stutzte Benkert, als er vernahm, dass die Saison noch gar nicht zu Ende sei. Schnell machte die Neuigkeit in der Esplanade-Halle die Runde, dass wegen der gleichzeitigen Niederlagen von Grauholz und Steffisburg der HS Biel sogar noch den Sprung in die NLB-Finalrunde geschafft hatte. «Na, dann feiere ich halt meinen Abschluss ein paar Wochen später», meinte Benkert mit einem Lächeln im Gesicht. «Ich freue mich jedenfalls auf diese sechs Spiele, die uns noch bevorstehen.»
Lyss zieht voll durch
Am 10. April geht es los. Nebst den überraschten Bielern spielen auch der grosse Aufstiegsfavorit Stäfa sowie die PSG Lyss und Arbon in der Finalrunde. Spätestens am 15. Mai wird man wissen, welche zwei NLB-Teams nächste Saison in der Nationalliga A spielen. Während die Lysser seit längerem kommuniziert haben, dass sie voll durchziehen und sich einem möglichen Aufstieg stellen wollen, wussten die Bieler im ersten Moment noch nicht so recht, was sie von den unverhofften Perspektiven halten sollten. «Wir sind alle kaputt», stöhnte Captain Elias Liggenstorfer scherzend. «Eigentlich ging es für uns ja nur darum, den Ligaerhalt zu schaffen. Dass wir sogar den Sprung in die Finalrunde schaffen würden, damit hatte nun niemand gerechnet. Jetzt wollen wir nach den anstrengenden Wochen zuerst einmal herunterfahren und dann weiterschauen.»
Leistungsträger fallen aus
Während die Zuschauer langsam die Esplanade-Halle verliessen und sich auf drei weitere Heimspiele des HS Biel freuen dürfen, verweilte Friesecke noch ein Weilchen an der Stätte des grossen Erfolgs. «Wir geniessen jetzt den Abend nach diesem siebten Sieg in Serie und setzen uns Anfang Woche zusammen», sagte der Trainer. «Die Saison hat viel Substanz gekostet. Diverse Spieler sind gesundheitlich angeschlagen.» So muss sich zum Beispiel Christian Schütz operieren lassen und Florian Heiniger hat wegen anhaltender Knieprobleme vom Arzt eine vierwöchige Zwangspause verordnet erhalten. «Ich werde mir in den nächsten Tagen gut überlegen müssen, wer alles verfügbar ist», meinte Friesecke. Voraussichtlich wird der eine oder andere U19-Junior aufgeboten. Die Nationalliga A sei zwar nicht das erklärte Ziel. «Wir werden aber im Vorstand alles unternehmen, um die Jungs zu unterstützen», sagte Kneubühler zur Aufstiegsfrage, welche nach den Lyssern nun wider Erwartens auch die Bieler beschäftigen wird.
So geht es weiter - Stäfa, Arbon, Lyss und Biel nehmen an der NLB-Finalrunde teil, die vom 10. April bis 15. Mai ausgetragen wird. - Jeder spielt je zweimal gegen jeden (insgesamt 6 Spiele pro Team). Die besten zwei Teams steigen am Schluss in die NLA auf, die beiden anderen bleiben in der NLB. - Horgen und Muri steigen in die 1. Liga ab. (fri)
(siehe auch Artikel "Vorfreude auf Derbys" unter [Spielberichte])
Biel - Altdorf 26:22 (14:10) Esplanade. - 250 Zuschauer. - SR Frei/Oswald.
Torfolge: 2:0, 2:1, 4:1, 4:2, 7:2 (8.), 7:3, 8:3, 8:5, 9:5, 9:7, 12:7, 12:8, 13:8, 13:9, 14:9, 14:12, 15:12, 15:13, 16:13, 16:14, 17:14, 17:15, 18:15, 18:16, 20:16, 20:1, 21:17, 21:18, 22:18, 22:19, 23:19, 23:20, 24:20, 24:21, 26:21, 26:22.
Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Biel, 2-mal 2 Minuten gegen Altdorf.
Biel: Benkert/Oesch; Béguelin, Heiniger (7/3), Karl (6), Jeremias (4), Liggenstorfer (2), Urech, Mario Rüeger, Etter (3), Bratschi, Schütz (4), Steiner.
Altdorf: Luthiger/Stocker/Portmann; Christian Bär, Betschart (3), Brücker (1), Marc Fallegger (8), Frei (2/2), Funke, Hürlimann (1), Huwiler (3), Röösli (4), Zakarauskas.
Bemerkungen: Biel ohne Tobias Rüeger, Reinhardt (beide verletzt), Friesecke (Trainer), Stauffer (Coaching), Schläfli und Sascha Rüeger (beide U19). Altdorf ohne Gregor Bär, Dossenbach (beide verletzt), Hauger (Rücktritt), Ivan Fallegger (Familie) und Jauch (überzähliger Torhüter). 27. Timeout Biel, 8./58. Timeouts Altdorf. 32. Portmann hält Siebenmeter von Heiniger, 36. Portmann hält Siebenmeter von Etter. |